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Kinderklinik >> Meine Geschichte >>Sophie und Hannah

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ab 811 bis 13 Jahre

Hallo, mein Name ist Hannah...

Hannah


Ich bin elf Jahre alt und wurde mit einer Halbseitenlähmung geboren. Viele Dinge kann ich nicht so gut, weil mir dabei dann die rechte Hand fehlt - da habe ich nicht so viel Kraft.

Seit vielen Jahren habe ich auch noch Epilepsie - das sind so Anfälle. Vielen macht das Angst. Freunde habe ich fast überhaupt nicht. Ich bemühe mich um Freundschaften, doch bleibe meistens alleine. Ich finde das sehr traurig. Wenn ich mal Kinder eingeladen habe, dann ist es oft so, dass sie dann lieber mit meiner Schwester spielen wollen.

Ich habe unwahrscheinlich viele Therapietermine - fast jeden Tag....
Manchmal wird mir das zuviel. Dann denke ich, dass ich deswegen keine Freunde habe.
Heute in der Schule haben mich 15 Kinder gleichzeitig geärgert - sie haben haben mir überall hingetreten und mich geschlagen. Meine Schwester wollte einen Lehrer zur Hilfe holen, doch sie war so traurig und ist dann auf dem Weg zur Lehrerin weinend zusammengebrochen.
Das macht mich so traurig, denn auch meine Schwester hat es nicht so leicht. Dann fühle ich mich auch daran schuldig - ich wollte auch lieber nicht behindert sein und genauso spielen können wie andere Kinder. Vielleicht ist den anderen Kindern es zu anstrengend Rücksicht zu nehmen.

Mama sagt aber, dass ich viele Dinge supergut mache:
Ich bin im Karate richtig gut - ich habe den roten Gurt gemacht!!
Fahrrad fahren habe ich mit sieben Jahren gelernt-schwimmen konnte ich mit fünf...

Nur Freunde habe ich eigentlich nicht - jetzt freu ich mich auf meine Schule - im Sommer besuche ich eine Schule für körperbehinderte Kinder.  Oft ist es so, dass ich zum Prügelknaben gemacht werde - ich bin immer alles Schuld und soll mich immer unterordnen, wenn andere Kinder mit mir spielen. Schlage ich etwas vor, dann haben sie keine Lust dazu oder sagen,"Wir bestimmen, oder wir spielen nicht mehr mit dir!"

Lange Phasen waren ohne Anfälle, aber im letzten Jahr hat es sich wieder gehäuft - in Form von richtigen Angstattacken. Wenn ich eine solche Serie hatte, dann möchte ich am liebsten nur bei meiner Familie sein - dann habe ich Angst, irgendwoanders von so einer Attacke überfallen zu werden. Ich merke auch, dass viele Erwachsene-Angst vor meinen Anfällen haben....auch manche Lehrer.
Wenn ich laufe, dann sieht man auch, dass ich eine Lähmung habe - manche Leute gucken dann so komisch.

Ich spiele gerne Fußball- dann stehe ich lieber im Tor, da muß ich nicht so viel laufen. Beim Fußball spielen schon mal die Jungens aus der Nachbarschaft mit mir, aber auch nicht immer -und das ist nur im Sommer --- selten klingeln sie um mich abzuholen, meistens wollen sie meine Schwester.
Ich denke immer,dass sie nur nach mir fragen, weil sie Mitleid haben.

So, mir fällt jetzt nichts mehr ein, vielleicht habt ihr ja eine Idee, wie sich was ändern kann....eure Hannah

Hermann schreibt:
Hallo Hannah und Sophie!
Als ich eure Berichte gelesen habe, hat mich das sehr traurig gemacht. Ich weiß nicht, warum einige sich gegenüber behinderten Kindern + Jugendlichen so unsensibel und grob verhalten. Woran liegt das? Werden Sie von ihren Eltern nicht genügend darüber aufgeklärt, was es heißt, mit einer körperlichen Einschränkung zu leben? Vielleicht ...
Ich bin schon ziemlich viel älter als ihr und lebe mit dem Tourette-Syndrom. Das ist eine Krankheit, bei der man unfreiwillige Bewegungen machen und Laute von sich geben muss. Ich falle also auch immer auf, egal wo ich bin und was ich mache. Und ich habe auch viele unschöne Reaktionen von anderen Menschen erleben müssen. Aber ich habe mir schon ein bißchen eine "Elefantenhaut" wachsen lassen und es macht mir nicht mehr so viel aus, wenn andere sich über mich lustig machen. Wenn es aber zu dolle wird, dann spreche ich diejenigen direkt auf ihr Verhalten an und erkläre meine Erkrankung. Viele entschuldigen sich dann bei mir und sagen, sie haben es nicht so gemeint. Nun, wenn sie das dann bleiben lassen, ist es okay für mich.
Eigentlich sollten Menschen mit Behinderungen von den "Gesunden" (gibt's die überhaupt?) mit Respekt und Achtung behandelt werden, denn trotz der Einschränkungen finden sie Wege, um alles auch zu machen, was zum Leben dazu gehört: Familie, Beruf, Hobbys und so weiter ...
bye bye Hermann

weiter zu: Sophie, meine Schwester

 

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