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Mein Tagesablauf
Seit ich den Diabetes hab, hat sich
in unserer Familie einiges verändert. Mama sagt manchmal, daß es
auch einen Vorteil hat, weil unser Tagesablauf noch regelmäßiger
geworden ist.
Ich erzähle mal, wie wir das mit dem Diabetes so machen:
Mein Papa oder meine Mama stehen jeden
Tag um halb 7 auf und messen meinen Blutzucker.
Weil ich da meistens noch schlafe, merke ich das oft gar nicht. Dann rechnen
sie aus, wieviel Insulin ich brauche und machen auf meine beiden Pens neue
Kanülen
drauf.
Ein Pen ist so
etwas ähnliches wie eine
Spritze, sieht aber eher aus wie mein Schulfüller. Darin ist das Insulin und man kann genau einstellen, wieviel man spritzen will, das geht viel einfacher
als mit einer echten Spritze und tut auch nicht so weh. Wenn Papa oder Mama
damit fertig sind, spritzen sie mir dann das Insulin unter die Haut, und zwar
in den Arm oder oberhalb vom Pops.
Weil ich morgens 2 verschiedene Sorten Insulin
bekomme, nämlich eins für mein Frühstück und eins, das
ein paar Stunden länger wirkt, müssen sie auch zweimal spritzen.
Deswegen hab ich auch 2 verschiedene Pens, einen gelben und einen grünen,
so kann man sie nicht verwechseln.
Danach machen mir meine Eltern dann meine
Frühstücksbrote zurecht. Ich esse nämlich, wenn ich aufgewacht
bin, das 1. Frühstück und später in der Schule zusammen mit
den anderen Kindern das 2. Frühstück. Dann müssen wir noch meinen
Bruder wecken, weil der ja in den Kindergarten muß. Papa fährt uns
dann zusammen hin. Meine Schule und sein Kindergarten sind nämlich im
selben Gebäude, das ist praktisch, und außerdem sehen wir uns manchmal,
wenn ich grad Pause habe.
In der Schule habe ich in meiner Federtasche noch
ein Mini-Blutzuckermeßgerät,
auch die Teststreifen, der Piekser und
ein bisschen Zellstoff passen noch rein, so brauch ich nicht immer im Ranzen
wühlen, wenn ich mal schnell messen will. Und messen muß ich ja
vor dem Frühstück und vor dem Mittagessen in der Schule.
Meine Mama
hat mir eine bunte Tabelle gemacht, da steht genau drin, wieviel Insulin ich
vor dem Mittagessen spritzen muß. Das kann ich auch ganz alleine.
Am
Anfang waren die Kinder in meiner Klasse alle sehr neugierig und wollten genau
wissen, was ich da mache und warum, aber nun haben sie sich daran gewöhnt
und alle wissen bescheid. Wenn ich nachmittags zuhause bin und etwas essen
möchte, muß ich vorher immer meinen Blutzucker messen, auch wenn
wir mal schwimmen gehen oder bevor ich in die Musikschule zum Violinen-Unterricht
gehe, ist es wichtig, noch einmal zu messen. Wenn der Zucker dann zu niedrig
ist, muß ich schnell Traubenzucker essen.
Um etwas essen zu können,
muß ich noch einmal spritzen, meine Eltern sagen mir dann, wieviel. Das
find ich manchmal ganz schön lästig und gemein, oft würde ich
am liebsten alles hinschmeißen, aber das geht ja nun mal nicht.
Abendbrot machen
wir meistens um 6, aber wenn es mal später wird, ist es auch nicht
so schlimm. Als ich den Diabetes noch nicht lange hatte, mußten wir einen
Spritz-Eßplan genau einhalten, da konnte ich nicht einfach mal mehr essen
oder später, da gefällt mir das jetzt schon besser. Ungefähr
um halb 8 bekomme ich noch ein Spätstück, meistens esse ich da ein
Wassereis.
Nachts um halb 12, wenn ich schon schlafe,
messen meine Eltern noch einmal den Zucker und ich bekomme auch noch Insulin
gespritzt, das muß dann
die ganze Nacht reichen, denn auch wenn ich nix esse, sondern schlafe, benötigt
mein Körper ja das Insulin, damit alles richtig funktioniert.
Manchmal
ist der Blutzucker nachts ziemlich niedrig, dann geben mir meine Eltern noch
einen Trinkjoghurt. Das merke ich aber gar nicht, weil ich immer so fest schlafe,
sie setzen mich aufrecht hin und wenn ich den kleinen Becher ausgetrunken habe,
schlafe ich einfach weiter.
Am nächsten Morgen fängt dann wieder
alles von vorne an... Eigentlich ist es also
gar nicht so schlimm, Diabetes zu haben. Man kann Sport machen und normal zur Schule gehen und Hobbys haben
wie andere Kinder auch, man muß nur regelmäßig seinen Blutzucker
messen und das mit dem Spritzen und Essen beachten.
Bald werde ich auch lernen,
alles selber auszurechnen, dann werde ich noch selbständiger sein.
Eine
Besonderheit gibt es bei mir aber schon: als ich damals im Krankenhaus war,
wurde mein Blut untersucht und dabei festgestellt, daß ich auch noch
Zöliakie habe. Das bedeutet, daß ich nichts essen darf, worin Gluten enthalten ist.
Gluten ist eine Art Klebereiweiß, das kommt in den Getreidesorten
vor, die bei uns hier so wachsen, also Weizen, Gerste, Roggen und Hafer.
Das
war natürlich nochmal ein Schreck für mich und meine Eltern, ab jetzt
durfte ich also kein Brot, keine Brötchen, keinen Kuchen und viele andere
Sachen nicht mehr essen!
Aber zum Glück gibt es jetzt immer mehr glutenfreie Sachen zu kaufen, die auch ganz lecker sind. Außerdem haben wir eine
dicke Liste, in der stehen ganz viele glutenfreie Lebensmittel drin, die man
auch überall kaufen kann.
Meine Mama hat damals auch ihr Blut untersuchen
lassen, und da hat sich herausgestellt, daß sie auch Zöliakie hat.
Eigentlich bin ich darüber sogar ganz froh, weil ich jetzt nicht allein
glutenfrei essen muß. Schwierig wird es, wenn man mal in eine Gaststätte
gehen möchte, weil fast niemand diese Krankheit kennt und das Wort "Gluten" noch
nie gehört hat!
Meine Mama ist manchmal ganz traurig, weil sie so gerne
mal wieder mit uns richtig schön essen gehen würde. Meinen 7. Geburtstag
haben wir letztes Jahr in einem tollen Restaurant gefeiert, das war auf der
Insel Rügen während unseres Campingurlaubs, da gab es extra glutenfreies
Essen, das war toll!
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