Du bist in: Kinderklinik >> Krankheiten >>Meine Krankheit

Besonders empfohlen für:
ab 8

So sieht mein Tag mit Diabetes aus

Leas diabetestagebuchMein Tagesablauf

Seit ich den Diabetes hab, hat sich in unserer Familie einiges verändert. Mama sagt manchmal, daß es auch einen Vorteil hat, weil unser Tagesablauf noch regelmäßiger geworden ist.
Ich erzähle mal, wie wir das mit dem Diabetes so machen:

Mein Papa oder meine Mama stehen jeden Tag um halb 7 auf und messen meinen Blutzucker. Weil ich da meistens noch schlafe, merke ich das oft gar nicht. Dann rechnen sie aus, wieviel Insulin ich brauche und machen auf meine beiden Pens neue Kanülen drauf.

Ein Pen ist so etwas ähnliches wie eine Spritze, sieht aber eher aus wie mein Schulfüller. Darin ist das Insulin und man kann genau einstellen, wieviel man spritzen will, das geht viel einfacher als mit einer echten Spritze und tut auch nicht so weh. Wenn Papa oder Mama damit fertig sind, spritzen sie mir dann das Insulin unter die Haut, und zwar in den Arm oder oberhalb vom Pops.
Weil ich morgens 2 verschiedene Sorten Insulin bekomme, nämlich eins für mein Frühstück und eins, das ein paar Stunden länger wirkt, müssen sie auch zweimal spritzen. Deswegen hab ich auch 2 verschiedene Pens, einen gelben und einen grünen, so kann man sie nicht verwechseln.

Danach machen mir meine Eltern dann meine Frühstücksbrote zurecht. Ich esse nämlich, wenn ich aufgewacht bin, das 1. Frühstück und später in der Schule zusammen mit den anderen Kindern das 2. Frühstück. Dann müssen wir noch meinen Bruder wecken, weil der ja in den Kindergarten muß. Papa fährt uns dann zusammen hin. Meine Schule und sein Kindergarten sind nämlich im selben Gebäude, das ist praktisch, und außerdem sehen wir uns manchmal, wenn ich grad Pause habe.

BlutzuckermessgeraetIn der Schule habe ich in meiner Federtasche noch ein Mini-Blutzuckermeßgerät, auch die Teststreifen, der Piekser und ein bisschen Zellstoff passen noch rein, so brauch ich nicht immer im Ranzen wühlen, wenn ich mal schnell messen will. Und messen muß ich ja vor dem Frühstück und vor dem Mittagessen in der Schule.
Meine Mama hat mir eine bunte Tabelle gemacht, da steht genau drin, wieviel Insulin ich vor dem Mittagessen spritzen muß. Das kann ich auch ganz alleine.

Am Anfang waren die Kinder in meiner Klasse alle sehr neugierig und wollten genau wissen, was ich da mache und warum, aber nun haben sie sich daran gewöhnt und alle wissen bescheid. Wenn ich nachmittags zuhause bin und etwas essen möchte, muß ich vorher immer meinen Blutzucker messen, auch wenn wir mal schwimmen gehen oder bevor ich in die Musikschule zum Violinen-Unterricht gehe, ist es wichtig, noch einmal zu messen. Wenn der Zucker dann zu niedrig ist, muß ich schnell Traubenzucker essen.
Leas gibt sich eine InsulinspritzeUm etwas essen zu können, muß ich noch einmal spritzen, meine Eltern sagen mir dann, wieviel. Das find ich manchmal ganz schön lästig und gemein, oft würde ich am liebsten alles hinschmeißen, aber das geht ja nun mal nicht.

Abendbrot machen wir meistens um 6, aber wenn es mal später wird, ist es auch nicht so schlimm. Als ich den Diabetes noch nicht lange hatte, mußten wir einen Spritz-Eßplan genau einhalten, da konnte ich nicht einfach mal mehr essen oder später, da gefällt mir das jetzt schon besser. Ungefähr um halb 8 bekomme ich noch ein Spätstück, meistens esse ich da ein Wassereis.

Nachts um halb 12, wenn ich schon schlafe, messen meine Eltern noch einmal den Zucker und ich bekomme auch noch Insulin gespritzt, das muß dann die ganze Nacht reichen, denn auch wenn ich nix esse, sondern schlafe, benötigt mein Körper ja das Insulin, damit alles richtig funktioniert.

Manchmal ist der Blutzucker nachts ziemlich niedrig, dann geben mir meine Eltern noch einen Trinkjoghurt. Das merke ich aber gar nicht, weil ich immer so fest schlafe, sie setzen mich aufrecht hin und wenn ich den kleinen Becher ausgetrunken habe, schlafe ich einfach weiter.

Am nächsten Morgen fängt dann wieder alles von vorne an... Eigentlich ist es also gar nicht so schlimm, Diabetes zu haben. Man kann Sport machen und normal zur Schule gehen und Hobbys haben wie andere Kinder auch, man muß nur regelmäßig seinen Blutzucker messen und das mit dem Spritzen und Essen beachten.
Bald werde ich auch lernen, alles selber auszurechnen, dann werde ich noch selbständiger sein.

Eine Besonderheit gibt es bei mir aber schon: als ich damals im Krankenhaus war, wurde mein Blut untersucht und dabei festgestellt, daß ich auch noch Zöliakie habe. Das bedeutet, daß ich nichts essen darf, worin Gluten enthalten ist.
Gluten ist eine Art Klebereiweiß, das kommt in den Getreidesorten vor, die bei uns hier so wachsen, also Weizen, Gerste, Roggen und Hafer.
Das war natürlich nochmal ein Schreck für mich und meine Eltern, ab jetzt durfte ich also kein Brot, keine Brötchen, keinen Kuchen und viele andere Sachen nicht mehr essen!

Aber zum Glück gibt es jetzt immer mehr glutenfreie Sachen zu kaufen, die auch ganz lecker sind. Außerdem haben wir eine dicke Liste, in der stehen ganz viele glutenfreie Lebensmittel drin, die man auch überall kaufen kann.

Meine Mama hat damals auch ihr Blut untersuchen lassen, und da hat sich herausgestellt, daß sie auch Zöliakie hat. Eigentlich bin ich darüber sogar ganz froh, weil ich jetzt nicht allein glutenfrei essen muß. Schwierig wird es, wenn man mal in eine Gaststätte gehen möchte, weil fast niemand diese Krankheit kennt und das Wort "Gluten" noch nie gehört hat!

Meine Mama ist manchmal ganz traurig, weil sie so gerne mal wieder mit uns richtig schön essen gehen würde. Meinen 7. Geburtstag haben wir letztes Jahr in einem tollen Restaurant gefeiert, das war auf der Insel Rügen während unseres Campingurlaubs, da gab es extra glutenfreies Essen, das war toll!

 

 

zurück zu: Kinderklinik

 

zur Kinderarztpraxis zur Bibliothek zum Internetcafe zum Spielplatz zum Fitness-Studio zur Startseite